Auf gemeinsame Regeln zur Kennzeichnung von Lebensmitteln haben sich die EU-Mitgliedsstaaten geeinigt: Künftig werden auf allen Lebensmittelverpackungen Informationen zum Energiegehalt, den verwendeten Fetten sowie dem Zucker- und Salzgehalt des Lebensmittels zu finden sein. Wie eine solche Kennzeichnung wahrgenommen wird, wenn sie als einheitliches Label im Sichtfeld von Verpackungen aufgedruckt ist, und ob dies die Auswahl gesünderer Produkte fördert, untersuchen Wissenschaftler seit 2008 im EU-Forschungsprojekt „FLABEL“. Daran beteiligt ist auch das Institut für Konsum- und Verhaltensforschung an der Universität des Saarlandes unter der Leitung von Professorin Andrea Gröppel-Klein.

Auf gemeinsame Regeln zur Kennzeichnung von Lebensmitteln haben sich die EU-Mitgliedsstaaten geeinigt: Künftig werden auf allen Lebensmittelverpackungen Informationen zum Energiegehalt, den verwendeten Fetten sowie dem Zucker- und Salzgehalt des Lebensmittels zu finden sein. Wie eine solche Kennzeichnung wahrgenommen wird, wenn sie als einheitliches Label im Sichtfeld von Verpackungen aufgedruckt ist, und ob dies die Auswahl gesünderer Produkte fördert, untersuchen Wissenschaftler seit 2008 im EU-Forschungsprojekt „FLABEL“. Daran beteiligt ist auch das Institut für Konsum- und Verhaltensforschung an der Universität des Saarlandes unter der Leitung von Professorin Andrea Gröppel-Klein.

Die Ergebnisse zeigen, dass ein solches Label von den Konsumenten zwar wahrgenommen wird, aber nicht zu einer grundlegenden Änderung des Konsumverhaltens führt.

Auf Lebensmittelverpackungen sind künftig EU-weit einheitliche verbraucherfreundliche Nährwertangaben zu finden. Das sieht eine neue Verordnung vor, die der Ministerrat der Europäischen Union am 29. September 2011 einstimmig gebilligt hat. Die vorgeschriebene Nährwertkennzeichnung gibt Auskunft über den Energiegehalt von Lebensmitteln in Form von Kalorien, Fett, gesättigten Fetten, Zucker und Salz (je 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter). Ein Ampelsystem oder ein Gesundheitslogo – im Falle gesünderer Lebensmittel – wurde dagegen nicht verpflichtend eingeführt.

Ob Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen stärker beachtet werden, wenn sie in Form eines einheitlich gestalteten Labels aufgedruckt werden, und ob Konsumenten dann eher zu gesundheitsfördernden Produkten greifen, untersucht seit 2008 das EU-Forschungsprojekt „FLABEL“ (Food Labelling to Advance Better Education for Life). Daran beteiligt sind Wissenschaftler von sieben europäischen Universitäten sowie Interessensgruppen aus Industrie, Handel und Verbraucherschutzorganisationen, unter ihnen auch das Institut für Konsum- und Verhaltensforschung (IKV) an der Universität des Saarlandes. „Wir haben die Wirkung von Nährwertangaben am Point-of- Sale, also während des Einkaufens, untersucht“, sagt IKV-Leiterin Andrea Gröppel-Klein. Gemeinsam mit Dr. Jörg Königstorfer hat die Professorin für Betriebswirtschaftslehre in Zusammenarbeit mit dem saarländischen Unternehmen Globus verschiedene Studien in Deutschland durchgeführt. Dabei trafen die Probanden im Sortimentslabor reale Kaufentscheidungen. Sie bekamen Produkte mit einem eigens entworfenen Label zu sehen, das zuvor von anderen Forschungsteams des EU-Projekts auf Verständlichkeit und Sympathie gestestet worden war. Die Produkte der Kontrollgruppe zeigten die herkömmlichen Nährwertkennzeichnungen.

Fazit der Untersuchungen des Instituts für Konsum und Verhaltensforschung:

„Der Beitrag eines einheitlichen Nährwertkennzeichens ist klein, aber signifikant feststellbar: Durch die einheitliche Gestaltung des Labels wird die Aufmerksamkeit für die Nährstoffwerte leicht erhöht,“ resümiert Andrea Gröppel-Klein. „Die Konsumenten schauten allerdings nur ein bis zwei Sekunden auf die Produktverpackung, und die Labels wurden nur Bruchteile einer Sekunde lang betrachtet.“ Das Kaufverhalten der Kunden habe sich durch die Labels zwar nicht grundlegend geändert, sie könnten aber für solche Kunden hilfreich sein, die häufig Probleme in der Kontrolle ihres Essverhaltens haben. Weitere Studien in Deutschland und Polen hätten gezeigt, dass zusätzliche Ampelfarben automatische Verhaltensreaktionen auslösen: „Ungesunde Lebensmittel, die mit roter Farbe gekennzeichnet sind, werden dann stärker gemieden“, erklärt die Saarbrücker Uni-Professorin.

Für ihre Studien setzten die Wissenschaftler verschiedene Messmethoden ein. „Um festzustellen, ob die Kunden durch das Label aktiviert werden, haben wir so genannte elektrodermale Reaktionsmessungen durchgeführt“, erläutert Gröppel-Klein. Dabei messen Elektroden an der Handinnenfläche die Leitfähigkeit der Haut. Diese ändert sich, wenn der Mensch aufgeregt ist und schweißnasse Hände bekommt. Mit der Technologie sind selbst kleinste, unbewusste Aktivierungsänderungen messbar. Außerdem führten die Wissenschaftler aufwändige Eyetrackingstudien durch, bei denen sie durchschnittlich 4.000 Blickbewegungsdaten pro Versuchsperson analysierten. So konnten sie feststellen, ob ein neues, einheitliches Lebensmittel-Label im Vergleich zu den existierenden Nährwertsystemen mehr Beachtung findet. Weitere Feldstudien mittels Blickaufzeichnungsgeräten in Verkaufsstätten führten die Forscher des IKV auch in Polen und der Türkei durch – in Zusammenarbeit mit der University of Warsaw (Polen) und der Dokuz Eylul University (Türkei). Die Ergebnisse werden in wissenschaftlichen Publikationsorganen veröffentlicht und der EU als politisches Entscheidungsorgan mitgeteilt.

Weitere Informationen: www.flabel.org, www.ikv.uni-saarland.de

Quelle: Saarbrücken [ Universität ]

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